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Von schönen Kerzen und schiefen Flammen

Von schönen Kerzen und schiefen Flammen

Ich habe mir vorgenommen, auf meinem Blog alles zu teilen – Erfolge wie auch Misserfolge.
Also kommt heute meine Erfahrung des Kerzengießens. Ich zähle dieses Kapitel eher zu meinen Misserfolgen. Ich war zu Beginn hin und weg, der Aufwand hatte sich anscheinend gelohnt, die Kerzen sahen wirklich schön aus. Bis ich dann an Heiligabend (man muss die wertvollen Kerzen ja schließlich für besondere Anlässe nutzen) die ersten beiden Kerzen am Weihnachtstisch angezündet habe. Tja, meine Erzeugnisse sahen zwar hübsch aus, brannten aber schräg ab und sauten den Kerzenständer sowie den Tischläufer voll.

Aber jetzt einmal auf Anfang! Ich nehme euch mit in meine kleine, feine etwas misslungene Kerzenproduktion.

1. Wachs gewinnen

Ich bin ehrlich: Vor unserem Start in die Imkerei habe ich nie darüber nachgedacht, wie Bienenwachskerzen entstehen. Klar, man nimmt Wachs und gießt es in eine schöne Kerzenform. Doch wertvolles Bienenwachs kommt leider nicht verarbeitungsbereit aus der Bienenbeute – ganz im Gegenteil.

Alte Waben müssen aus dem Volk entnommen und eingeschmolzen werden. Auf diesen Waben haben schon mehrere Bienengenerationen gelebt. Durch abgestreifte Nymphenhäutchen der Larven, Larvenkot sowie Pollen- und Propolisreste sammeln sich über die Zeit zahlreiche Rückstände an. Die Waben sind dann nicht mehr schön wachsgelb, sondern braun bis fast schwarz.

Diese Waben werden aus Hygienegründen entnommen und eingeschmolzen. Dafür habe ich einen Wachsdampfschmelzer verwendet. Beim Schmelzen läuft das flüssige Wachs durch kleine Öffnungen, wodurch der grobe Schmutz bereits entfernt wird. Anschließend sollte das Wachs sehr langsam abkühlen, damit feine Schwebeteilchen Zeit haben, sich am Boden abzusetzen.

Nachdem das Wachs vollständig ausgehärtet ist, kann der abgesetzte Dreck an der Unterseite des Wachsblocks mit einem Stockmeißel abgekratzt werden.

2. Wachs säubern

Leider findet man im Wachs jetzt immer noch kleine Dreckpartikel. Verbleiben diese im Wachs und somit später in der Kerze, kann das Wachs nicht gleichmäßig abbrennen. Die Flamme wird dann flackern und rußen. Also weiter geht die Säuberung. Das Wachs wird auf dem Herd noch einmal erhitzt, bis es flüssig ist, und anschließend durch einen Seidenstrumpf gegossen. Hier werden kleinere Schmutzpartikel aufgefangen. Nach dem Aushärten kann erneut – wenn nötig – weiterer Dreck an der Unterseite des Wachsblocks abgekratzt werden.

3. Kerzen gießen

Ich bin absoluter Fan von Stabkerzen. An Festtagen hat meine Mutter immer Stabkerzen auf dem Esstisch – für mich ein echtes Gefühl von Festlichkeit. Und da Weihnachten vor der Tür stand, war für mich klar: Es müssen Stabkerzen werden. Gesagt, getan. Ich bestellte mir drei unterschiedliche Formen für Stabkerzen sowie Kerzendochte.

Und ab diesem Moment begannen die Herausforderungen …

Herausforderung 1: Der fehlende Dochteinfädler
Natürlich kamen die Kerzenformen ohne Dochteinfädler. Als ich am Tag X versuchte, den Docht in die Kerzenform einzufädeln und dabei etwas sprachlos vor der beiliegenden Anleitung stand, wurde mir schnell klar: Ohne Dochteinfädler komme ich hier nicht weiter. Doch wo bekommt man an einem Samstagmorgen spontan einen Dochteinfädler her? Etwas hoffnungslos rief ich in einem Bastelladen in Waldkirch an. Die Verkäuferin dort wurde kurzerhand zu meiner Heldin des Tages. Ihr Tipp: „Nehmen Sie einfach einen Draht – am besten doppelt für mehr Stabilität – und drehen Sie die Enden ein, damit die Silikonform nicht beschädigt wird.“ Und zack, schon hatte ich einen funktionierenden Dochteinfädler. Keine fünf Minuten später war das Problem gelöst. Easy.

Herausforderung 2: Die Zahnstocher sind leer Und natürlich: Genau dann, wenn man sie braucht, sind die Zahnstocher leer. Um den Docht mittig in der Kerze zu fixieren, spannt man ihn am besten zwischen zwei Zahnstocher oder Schaschlikspieße. Tja – natürlich waren die an diesem Tag ebenfalls nicht auffindbar. Also wurden kurzerhand unbenutzte Ohrenstäbchen zweckentfremdet. Erfinderisch muss man werden.

Herausforderung 3: Zeit, sehr viel Zeit
Die Kerzen benötigten im Schnitt etwa 20–30 Minuten zum Abkühlen. Mit nur drei Formen kann die Verarbeitung selbst eines kleinen Wachsblocks dann schnell zur Geduldsprobe werden. An diesem Tag habe ich für 16 Kerzen rund sechs Stunden gebraucht. Natürlich kann man in der Zwischenzeit andere Dinge erledigen – aber die Wohnung verlässt man besser nicht. Die Lösung lautet hier wohl: mehr Kerzenformen oder eine größere Portion Geduld. Bei mir werden es definitiv die Formen.

Herausforderung 4: Die Wachssauerei
Mit Wachs zu arbeiten ist schlichtweg eine Sauerei. Klar, ich hatte gelesen, man solle den Arbeitsplatz mit Papier oder Pappe auslegen. Habe ich auch gemacht – aber wirklich jeden einzelnen Zentimeter? Als hätte das Wachs Augen und einen eigenen Willen, wurde jeder noch so kleine freie Fleck bekleckert. Also hieß es später wieder: Wachs abkratzen. Und das empfindet nicht jede Küchenoberfläche als Spa-Treatment.

Hier noch ein kleiner Tipp vom Imker-Guru: Werkzeuge, die mit getrocknetem Wachs bedeckt sind, lassen sich ganz einfach mit einer Heißluftpistole reinigen. Das Wachs wird flüssig, das Werkzeug mit einem Zewa abgerieben – und schon hat man sauberes Werkzeug und ganz nebenbei einen Ofenanzünder.

Nachdem ich also etwa sechs Stunden mit der Kerzenproduktion und weitere zwei Stunden mit Saubermachen beschäftigt war, hatte ich es geschafft: 16 selbstgegossene Kerzen. Und ich gebe es zu – bis hierhin war ich wirklich stolz. Ich habe die Kerzen schön verpackt und sie als Weihnachtsgeschenke an meine Familie verschenkt.

3. Die Enttäuschung

Tja, und dann kam an Heiligabend die Überraschung. Die Dochte in den Kerzen waren nicht ganz gerade, weshalb sie schräg abbrannten. Vermutlich habe ich die Dochte nicht ausreichend gespannt – sicher bin ich mir aber nicht, woran es letztlich lag. Zusätzlich habe ich in meinem blinden Aktivismus einfach einen Baumwollkerzendocht bestellt, der im Nachhinein vermutlich etwas zu dick war. Dass es unterschiedliche Dochtstärken gibt, war mir zu diesem Zeitpunkt leider nicht bewusst. Dabei gilt ganz einfach: Dünne Kerzen brauchen einen dünnen Docht, sonst brennen sie zu schnell ab. Dicke Kerzen hingegen benötigen einen stärkeren Docht, der eine größere Flamme versorgen kann.

Alles was jetzt noch zu sagen bleibt ist: Dieses Jahr wird es besser! Jetzt erst recht!